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Einleitende Wort zur Vorbereitung auf die Texte

Einige der Verweise zu Texten von Opfern des Holocaust habe ich wieder entfernt. Damals ging ich davon aus, einfach Berichte von Augenzeugen vor mir zu haben. Doch nach einem vertieften und nach der ersten Überraschung auch kritischeren Studium der Quellen, erschienen mir manche Texte in großen Bereichen der Darstellung manchmal bis hin zur Unglaubwürdigkeit ausgeschmückt zu sein.

Heute - nach vielen Jahren der Beschäftigung mit der Thematik - weiß ich, daß der Fehler nicht einfach in einer Überzogenheit von Darstellungen lag, sondern wie ich an diese Textquellen heranging. Diese Texte beschreiben neben den Geschehnissen, die objektiv passierten, auch eine subjektive Wahrheit. Sie zeigen, wie die Opfer fühlten, was die Erlebnisse der Vergangenheit in ihrer Seele bewirkt hatten. Bitte beachten Sie deshalb ganz allgemein beim Studium dieser Berichte von Zeitzeugen, daß diese Texte nicht nach objektiven wissenschaftlichen Kriterien geschrieben wurden, sondern auch Teil des eigenen Aufarbeitungsprozesses der Opfer sind. Es sind auch Versuche, sich etwas von dem Leid von der Seele zu schreiben.

Wer genau liest wird feststellen, daß es in den Berichten dennoch in ihrer Gesamtheit nicht gegen „die Deutschen” geht. Aber auch das wird in einem Zeitzeugenbericht deutlich: Der Anblick, der sich den Befreiern zum Beispiel in Dachau bot war erschreckend. Sie sahen Berge von Toten, Leichengeruch und viele Halbtote. Da stellte sich Haß auf „die Deutschen” (also alle Deutschen) ein, die dafür verantwortlich wären. Und da wurden in Dachau nicht nur direkt Verantwortliche gehasst, sondern der Hass war auch auf jene deutschen Soldaten projiziert worden, die zu dieser Zeit des Zusammenbruchs nach dem Rückzug von der Front, selber seelisch und körperlich am Ende, in dieses Lager abkommandiert waren. Was die Befreier sahen war nicht nur die Folge eines wahnsinnigen KZ-Systems, das ganz wesentlich auch mit Arbeit unter schlechten Bedingungen mordete, sondern zu diesem Zeitpunkt auch die Folgen des Zusammenbruchs der Infrastruktur gegen Ende des Krieges: Hunger, eine kaum mehr vorhandene Versorgung, die Überfüllung des Lagers und Seuchen - ein Bild des Grauens. Auch hier geschah dann Unrecht: deutsche Soldaten wurden nach der Kapitulation mißhandelt und getötet, auch wenn sie an diesen Verhältnissen im Lager keine direkte persönliche Schuld trugen. Ein Aufrechnen von Verbrechen kann und darf dies aber nicht sein. Viel mehr möge man schauen, dass solches nie wieder geschehen kann;
was also eine Gesellschaft braucht, um gesund zu bleiben.

Die Fähigkeit zur Barbarei hatten nicht nur einzig die Deutschen, sondern ist allen Menschen gemein - so wie eben auch die Fähigkeit zur Liebe. Zu dieser Erkenntnis kann auch kommen, wer sich wirklich mit Geschichte beschäftigt. Beides ist ungesund: die Selbsterhöhung und der Selbsthass. Eigentlich sind Selbsterhöhung und Selbsthass nur zwei Erscheinungen der gleichen seelischen Störung. Gerade in Deutschland müsste man sich deshalb um eine Selbstannahme bemühen; sie betrifft die ganze Geschichte. Das muss sich auch in den Denkmälern zeigen.

Es ist ein komplexes Thema. Wichtig ist, die einzelnen Berichte von Zeugen im gesamten Kontext zu sehen. Auf eine gute Informationsquelle möchte ich hinweisen und zu einem Studium dieser Informationen ermutigen. Geboten werden keine Meinungen, Interpretationen oder Kommentare, sondern es werden schriftliche Unterlagen aus dem sogenannten 3. Reich gezeigt. So kann sich jeder selbst ein Bild machen und das wird immer überzeugender sein, als nur anderen Menschen zu glauben:
NS-Archiv.

Auch auf diese Website will ich hinweisen. Ich hatte mit Cuck Ferree, der hinter dieser Website stand, für dieses Kapitel einige Briefe ausgetauscht. Es ist eine private Website, aber durch das Engagement ohne Lohn ist sie um so überzeugender:
The Camps


Opfer



Befreier



Informationen und Reporte



Interviews mit Opfern



Reden und Briefe der Nazis (chronologisch)


      A Poem


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Epilog


  © Text und Bild, T. Zieringer