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Die Gruppe "Leadership Mission" von Yad Vashem wurde am 10. Juli 2016 in Jerusalem vom israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin empfangen. Unter den Teilnehmern war auch der Bensheimer Thomas Zieringer.


Zu Gast beim Staatspräsidenten Israels

Vortrag: Thomas Zieringer referierte bei der BfB über seine Teilnahme an der internationalen „Leadership Mission“ von Yad Vashem - Mitschnitt des Vortrags


Bensheim. Die "Bürger für Bensheim" hatten am 30. August 2016 Gäste und Mitglieder zu einem Vortrag des Bensheimers Thomas Zieringer über seine Teilnahme an der "Leadership Mission" von Yad Vashem eingeladen.

YouTube Film über den
Empfang für die Besuchsgruppe in Israel

Zieringer ist der Initiator des Gartens der Freiheit in Hochstädten. Yad Vashem ist eine weltweit bedeutende Gedenk-, Bildungs- und Forschungsstätte in Jerusalem. Die international zusammengesetzte Gruppe der "Leadership Mission" umfasste rund 70 Teilnehmer, darunter Zieringer als einziger deutscher Teilnehmer. Zunächst verdeutlichte Zieringer in seinem Vortrag die Bedeutung seines Kunstprojektes. Beim Garten der Freiheit stünde nicht - anders wie bei Mahnmalen - die Vergangenheit im Fokus. Es gehe darum, eine Verantwortung zur Freiheit heute für sich persönlich zu leben.


Thomas Zieringer in der Residenz des Präsidenten von Israel
Bild: Thomas Zieringer in der Residenz des Staatspräsidenten von Israel

YouTube Film mit der Rede des israelischen Staatspräsidenten aus Anlass des Besuchs der Gruppe


Keine Schuldgefühle wecken

Gerade die aktuellen politischen Entwicklungen in Deutschland würden zeigen, wie sehr es bei diesem Thema immer noch an Bewusstsein mangele. "Wir brauchen eine neue Kultur der Freiheit in Deutschland", so Zieringer. Dafür stehe dieses Projekt. Es gehe dabei nicht darum, Schuld- und Schamgefühle zu wecken. Es sei ein positiver Ort zur Ermutigung der Menschen; ein Symbol für Freiheit (im Sinne von Pessach) und Leben. Es sei aber deshalb gerade kein Schlussstrich, sondern die Last der Vergangenheit werde gewandelt in einen Segen für die Zukunft. Dieser Paradigmenwechsel sei von grundsätzlicher Bedeutung für Deutschland, meinte Zieringer.

In seinem Bildvortrag stellte er die einzelnen Stationen der Reise der "Leadership Mission" nach. Es wurden verschiedene Orte Polens besucht. Außerdem stand Auschwitz auf dem Besuchsprogramm. Für Zieringer war der Besuch im Vernichtungslager Auschwitz der Höhepunkt der Reise. Dort war es seine Aufgabe, in einer Gedenkzeremonie von Yad Vashem den Psalm 23 zu lesen. Die kleine Gruppe wurde vom früheren Oberrabbiner von Israel, Rabbiner Lau, und von seiner Frau begleitet. Heute ist sein Sohn der aschkenasische Oberrabbiner von Israel.

Am Abend nach dem Besuch in Auschwitz flog die Gruppe nach Israel, um am nächsten Tag den israelischen Präsidenten Reuven Rivlin zu besuchen. In Israel hatten die Teilnehmer an der "Leadership Mission" dann auch die Gelegenheit, in persönlichen Gesprächen und Führungen durch die einzelnen Abteilungen Yad Vashem genau kennenzulernen.



Foto aus dem Jahr 1946

Den Vortrag schloss Zieringer mit einer wahren Geschichte. Im Bus fragte ihn eine andere Teilnehmerin der "Leadership Mission", die zufällig hinter ihm saß, ob das Bensheim sei. Sie zeigt ihm ein altes Foto. Man sah einen jungen Mann, der auf einer Straße stand. In Schreibschrift war auf das Foto geschrieben: "Bensheim, 1946". Das sei ihr Vater, sagte die Teilnehmerin, die Vorstandsmitglied von "Friends of Yad Vashem/USA" ist. Es sei die einzige Erinnerung aus dieser Zeit.

Ihr Vater war nach dem Krieg in Bensheim gewesen. Er war Händler. Nach dem Krieg half eine Gruppe von jüdischen Händlern, die Versorgung mit dem Lebensnotwendigen in Bensheim zu sichern. Zieringer erinnerte sich daran, dass ihm sein Vater Karl die Geschichte von den jüdischen Händlern in Bensheim oft erzählt hatte. Daher hatte er eine positive Beziehung zum Judentum.

Karls Vater, Andreas Zieringer, war damals Metallhändler. So schloss sich dann ein Kreis von Geschehnissen und Zusammenhängen nach genau 70 Jahren im Bus von Yad Vashem, der durch Jerusalem fuhr.



Die Pressemitteilung wurde am 6. 9. 2016 im Bergsträßer Anzeiger veröffentlicht.


  © Text und Bild, T. Zieringer