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Im Jahr 1998 hatte ich ein Buch über eine neue Perspektive in der deutschen Erinnerungskultur geschrieben. Der Titel: "Wendepunkt - die Vision einer neuen Menschlichkeit". Es wurde im Jahr 1999 als ein Beitrag zur Berliner Mahnmal-Debatte veröffentlicht. Obgleich ich in einem freien Land lebe, gab es eine große Übereinstimmung in allen relevanten Medien, keine neue Perspektive bei dem Thema überhaupt bekannt zu machen. Ich hatte eine PR-Agentur engagiert, die in Berlin gut etabliert war. Dort gab man mit der Begründung auf: "Wir haben noch nie vorher eine solche Blockade erlebt". Aber was die Mainstreammedien und die Politik ignorieren wollten, war doch bereits von respektablen Persönlichkeiten ernst genommen worden.


Drei kurze Kommentare von Presseleuten möchte ich Ihnen vorstellen:

"Sie werden keinen Erfolg haben. Ihr neuer Ansatz ist zu anspruchsvoll für die heutige deutsche Medienwelt".  
Chefredakteur einer Lokalzeitung,1998

„Sie haben eine völlig neue Perspektive bei dem Thema. Wir können nicht darüber berichten, denn sonst kann die Debatte nicht beendet werden."  Chefredakteur eines wichtigen deutschen Nachrichtenmagazins, 1999

Wir hatten ein Treffen des Vorstands und haben beschlossen, generell zu dem Thema nichts zu veröffentlichen.  Redakteur eines der größten deutschen Verlage, 1998





Präsident des internationalen Auschwitz Komitees
"Ihr Entwurf eines Mahnmals für die Opfer des N.S. Massenmordes hat mir außerordentlich gefallen. Es stellt tatsächlich einen psychologisch / philosophischen Ansatz dar, der tief berührt. Als Einzelperson, die ohne Zustimmung des Präsidiums des Internationalen Auschwitz-Komitees keine Vereinsmeinung abgeben kann, halte ich die von Ihnen vorgeschlagene Lösung für besonders würdig. Vergleiche zu anderen Lösungen kann ich nicht anstellen, da ich die Diskussion in Deutschland nicht bzw. zu wenig kenne. Ich meine aber, daß die Auswahlkommision gut beraten wäre, sich mit Ihrem Konzept besonders nachdrücklich zu befassen."

Hofrat Mag. Kurt Hacker, Wien, 1998


Früherer Generalsekretär der SPD und Bundesmininster a. D.
„...Ich verstehe Ihre Sorge, daß man sich einarbeiten und mitdenken muß, um Ihren Vorschlag zu verstehen; auch das Argument, daß dies Zeit braucht.

Sie sollten nicht vergessen, daß in der politischen Wirklichkeit die Dinge zur Entscheidung drängen, daß der Bundeskanzler heute eine Entscheidung dem Bundestag übertragen hat; daß mit anderen Worten die Zeit effektiv nicht zur Verfügung stehen wird, die Sie wünschen und glauben zu benötigen.

Es wäre schade, wenn ein interessanter und berechtigter Anstoß zum Nachdenken nicht berücksichtigt wird, nur weil der Initiator sich dafür mehr Zeit lassen will, als objektiv vorhanden ist. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, hat Gorbatschow einmal gesagt.”

Egon Bahr, SPD, 1999


Nachrichtenmagazin Stern: Eisenman entwirft, Spielberg liefert zu - mutet es nicht seltsam an, wenn Juden das Gedenken der Deutschen an ihre jüdischen Opfer organisieren?

Friedman: Anscheinend können es die Deutschen alleine (immer) noch nicht. Schade.

[Aus einem Interview mit Michel Friedman, Mitglied des Zentralrats der Juden in
Deutschland, Stern 4/1999, Seite 121]

Friedman lag und liegt übrigens bei seiner Einschätzung falsch. Nicht "die Deutschen" können es nicht, die deutsche Politik und die deutschen Medien heute erlaubten es nicht.


Kommentar der Autorin Urusla Roeder-Wolf

Viel wurde inzwischen über die Erstellung eines nationalen Holocaust-Mahnmals im Herzen Berlins diskutiert. Die Wunden, die auch dem Tätervolk geschlagen und eingebrannt wurden, ließen offenbar keine für alle Sensibilitäten gerechtwerdende Lösung zu. Sicherlich hat das etwas mit einer noch zu großen Nähe der älteren Menschen zu tun. Und nun wird wie aus 'heiterem Himmel' eine sehr denkwürdige, interessante Gestaltungsidee von einem Vertreter der Enkelgeneration gebracht, und damit sollte man sich allen Ernstes beschäftigen, denn es leuchtet ein, daß diese Nachfolgegeneration unbehafteter reagieren kann.

Der Vorschlag von Thomas Zieringer bietet eine unwahrscheinlich schlüssige Denkmalgestaltung an, die entgegen moderner Zeit-Monumente eine Mahnmalstätte entwickelt, die ineinandergreifende Vorgänge in den verschiedenen Ringen deutlich macht und sie in Bezug zu einer fließenden Bewegung setzt, in der nicht nur der Tod und das Grauen bzw. die Erstarrung zum Ausdruck kommen, sondern auch die andere lichte Polarität, in die der Mensch bei seiner Geburt gestellt wird, und aus der heraus er Auswege, Sühne in Demut und Hoffnung finden kann.

Wir müssen diese Sicht der jungen Menschen sehr begrüßen und bedenken, daß das, was wir heute bauen, vor allem zum Wohle unserer Kinder gebaut werden sollte. Wenn wir Mahndenkmäler setzen wollen, dann sollte diese Enkelgeneration einen verständlichen Zugang zu dem Denkmalinhalt finden können und eine Hilfe bekommen für ihre eigene Lebensbewältigung. Wir müssen ihr Mut machen, Mut für eine gute und tröstliche Zukunft, und wir müssen ihr das Vertrauen vermitteln, daß sie mündige Lebensträger für eine gerechte und gute Welt sind.

Durch die von Thomas Zieringer in Unruhe und Aufregung durchgearbeitete Vision seines Friedensmals erfahren wir die gute und richtige Wegweisung zur Lösung innerer Probleme, Verklemmungen und Schwierigkeiten und gerade, weil er das Friedensmal direkt und unmittelbar vom allumfassenden Individuum Mensch her aufrollt und die Volksverirrungen mit den in jedem Menschen angelegten polaren Naturen erklärt, die einen Menschen einmal durch unverarbeitete Verletzungen, Kränkungen, Minderwertigkeitsgefühle etc. zum kranken Wesen oder mit der Kraft der Liebe zu einem gesunden, heilen Wesen machen, kann man bei seinem Friedensmal von einer gelungenen Symbiose sprechen: es ist eine würdige Erinnerungsstätte des vergangenen Holocausts und ein stiller Meditationsplatz für Menschen jeden Alters, die Antworten suchen bei ihrer eigenen Lebensherausforderung.


  © Text und Bild, Friedensmal Wendepunkt e. V.