Kapitel: Über uns / Über mich


Wie es begann

Mein Name ist Thomas Zieringer (Kontakt). Ich bin Künstler und Autor (meine Gedichte).

Dies ist die Geschichte, die zum
Jerusalem Friedensmal führte: Es war im März 1998. Ich saß im Auto auf der langen Fahrt von Bensheim nach Traunstein. Im Radio wurde auf vielen Kanälen über die Berliner Mahnmal-Debatte berichtet. Ich stellte mir Fragen: Warum wollen Menschen ihre Vergangenheit aufarbeiten oder die Vergangenheit ihres Landes und bleiben dann in der Dunkelheit, statt sich gerade wegen dieser Dunkelheit dem Leben zuzuwenden? Warum belastet ein Land, das in seiner Geschichte schon soviel Schuld auf sich geladen hat, seine Kinder mit Schuldgefühlen, statt sie als Konsequenz zu wirklich freien und mündigen Bürgern zu erziehen? Warum wollen wir nicht gerade wegen der Dunkelheit in der deutschen Geschichte über Mahnmale hinaus auch Denkmäler bauen, die dem Mahngedenken Hoffnung und neues Leben mitgeben könnten? Eine Kultur definiert sich durch die Symbole, die sie sich setzt. Inwieweit sind ihre Denkmäler und Symbole also eine Ermutigung, sich für Frieden und Freiheit zu engagieren und wäre das nicht „aus der Vergangenheit zu lernen”?

In dieser Nacht in Traunstein sah ich gegen Morgen in einem ungewöhnlichen Traum, wie in einem kurzen Film, einen Ausschnitt eines Monuments mit einem durchbrochenen Kreis mit großen Steinen; das
Friedensmal. "Das ist die Antwort" war die Botschaft. Es war wie ein erstes Puzzlestück, das meine ganze Neugierde weckte. Mein Unterbewusstsein muss sich in dieser Nacht mit der Thematik, mit der ich vorher nie etwas zu tun haben wollte, sehr beschäftigt haben und so begann die innere Entdeckungsreise. Auf der Reise machte mir vieles Mut, so dass ich immer weitergehen konnte. Ich schickte die Zeichnung mit meinem Traumbild an den Präsidenten des Internationalen Auschwitz Komitees Hofrat Kurt Hacker und fragte ihn einfach, was er davon halten würde. Ich war überrascht als schon bald eine Antwort von ihm zurückkam, dass nämlich die Denkmalgestaltung eine der besten Lösungen wäre, die ihm bekannt geworden sind. Er wollte sogar an die deutschen Bundespolitiker schreiben, dass sie meinen Vorschlag prüfen sollen, so dass er gebaut werden kann. Also dachte ich, dass vielleicht tatsächlich etwas an der Sache dran ist, denn ich war schließlich damals weder ein Künstler noch ein Architekt.


Modell des ersten Entwurfs des Friedensmals
Dies ist das erste Modell das ich nach meiner Vision gebastelt hatte.



Die nächsten Monate verbrachte ich damit Texte zu schreiben, mit denen ich versuchte herauszufinden was die inhaltliche Bedeutung der Vision ist. So fand ich auch den Namen "Friedensmal". Als ich dann wenig später in dieser Zeit in Fulda auf einer Veranstaltung der katholischen Kirche war, traf ich dort auf Alfons Büttner. Er lief durch den Raum mit einem großen Schild auf dem stand: Jesus war Jude. Das fand ich interessant und ich sprach ihn an. Wir unterhielten uns für eine Weile und dann erzählte ich ihm von meiner Vision. Er war gleich Feuer und Flamme dafür. Schließlich übernachtete ich bei ihm und am nächsten Tag folgte ich dann auch seinem Vorschlag die jüdische Gemeinde in Fulda zu besuchen. Er wollte mich dort der Vorsitzenden Frau Weiland vorstellen. In der Synagoge angekommen traf ich auf eine sehr freundliche, offene und elegante Frau, die sehr begeistert war, was ich ihr von dem Friedensmal erzählte, das ich im Traum gesehen hatte. Sie saß am Schreibtisch und hinter ihr hing ein Bild an der Wand. Ich war dann sehr verwundert, denn das Bild zeigte das Innere "meines" Denkmals! Ich fragte die Vorsitzende, was das Bild bedeutet. Sie erzählte, dass es der 1. Psalm wäre, der in Form vom "Baum des Lebens" aufgeschrieben worden ist. Heute liegt übrigens wegen dieser Begebenheit der 1. Psalm, der auf ein eingerolltes Blatt Papier geschrieben wurde, in einer Stahlkapsel im Beton des Grundsteins unter dem Denkmal, unter der Mitte vom "Baum des Lebens".

Erst jetzt wusste ich, was das Traumbild tatsächlich bedeutete. Ich hatte es in der Synagoge in Fulda herausgefunden. Es machte einen perfekten Sinn: Es ist also "der Baum des Lebens", der einen dunklen Teufelskreis der Gewalt durchbricht. Die 33 Steine im Kreis stehen für die Erstarrungen in der Seele. Ermutigt setze ich meinen Weg mit der Entwicklung des Denkmals fort. Es war auch machmal ein Irrweg. Zuerst wollte ich nämlich das Denkmal in Berlin bauen. Doch stellte ich schnell fest, dass man in dieser Stadt nicht mit verrückten Ideen weiterkam, sondern nur mit Kontakten, die ich nicht hatte. Dann wollte ich es wegen meines neuen Kontakts zur Fuldaer Synagoge in dieser Stadt bauen. Zunächst war man bei der Stadtverwaltung auch offen für diese Idee. Doch nach dem Hohmann-Skandal in Fulda mochte man nicht mehr. Also baute ich es schließlich da, wo ich selbst wohne, in Bensheim. Hier hatte ich die notwendigen Kontakte, die Leute kannten mich und es gab einige Hoffnung, dass ich hier schließlich auch eine Baugenehmigung erhalten würde. Einige Jahre später hielt ich sie dann auch tatsächlich in der Hand. Auf dem Weg mit dem Friedensmal gab es immer wieder Begebenheiten, merkwürdige Zufälle und Fügungen, die mir den Mut gaben weiterzugehen und die mich in meinem Verständnis weiterbrachten. 15 Jahre nach der Vision hatte sich schließlich mit dem Friedensmal und 17 Jahre später mit dem Jerusalem Friedensmal die Idee des Denkmals in der äußeren Welt verwirklicht.

Überhaupt am Anfang dieser "Reise" daran zu denken, diese aufwendige Friedensstätte zu bauen, wagte ich nur wegen der ersten positiven Reaktionen einiger Überlebender des Holocaust, als ich ihnen den neuen Ansatz im Gedenken an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte vorstellte. Den Kommentar von Kurt Hacker, Präsident des Internationalen Auschwitzkomitees, zu meiner Gestaltung
finden Sie hier. Auf dieser Website können Sie auch Informationen zu meinem Buch finden, das ich damals im Jahr 1998 über mein Verständnis der Vision geschrieben hatte. Es handelt über einen neuen Ansatz für die deutsche Erinnerungskultur mit einem Erinnern, bei dem der Fokus auf dem Leben liegt.




Ein persönliches Wort


Thomas Zieringer, Januar 2015

Das Leben hat so viel Tiefe zu bieten. Die persönliche Entwicklung scheint immer weiter gehen zu können. Gerade in unserem Land, wo die Verhältnisse immer noch recht gut sind, kann man sagen: man steht dem Glück meist selbst im Weg. Also soll man das, was den Schmerz bringt, bei sich selbst verändern. So reich werden wir beschenkt, und doch so wenig sehen wir noch den Wert. Das Leben scheint mir ein Prozess zu sein, aus dem kleinlichen selbstbezogenen Denken herauszufinden - in die Freiheit. Der „freie Wille” ist so eine Sache. Wirklich frei ist man selten, denn Entscheidungen hängen von früheren Erfahrungen ab und jeder Mensch trifft so immer, da eben wo er gerade steht, "die richtige" Entscheidung; auch wenn sie von außen eher nach einem leidenschaftlichen „Leiden schaffen” ausschaut. Freiheit entsteht aber da, wo ich mich aus meiner erstarrten Bilderwelt mit ihren Vorurteilen, Ängsten und Erwartungen lösen kann und scheinbar haltlos meiner Sehnsucht folge.

Und was ist diese Sehnsucht? Ich will durchs Leben tanzen, lieben und singen; bei meiner inneren Freude sein und sie ausdrücken. Das ist eine großartige Philosophie; wie ich finde die großartigste. Will man sie lernen, soll man das Leben studieren. Eigentlich genau da, wo man sich gerade wieder selbst im Wege steht. Was schimpfte Jesus über die Schriftgelehrten; und ein paar Jahrhunderte später übernahmen sie in seinem Namen die Macht... - es ist ein schmaler Weg. Kennen Sie die Freude, dieses Strahlen von Innen? Was ich meine ist, es immer in neuer Weise in Liebe und Dankbarkeit auszudrücken und damit die Welt zu verändern, sie in der Liebe zu bezaubern - durch die Worte, durch die Bewegung, mit Musik, Gedichten, Kunst... - was eine Philosophie! Das darf keine blutleere Kopfgeburt sein. Man kann's nicht studieren sondern nur ausdrücken! Leben! Was es ausmacht ist der Mut, in Würde und Redlichkeit dafür einzustehen.

Das bedeutet eben auch, nicht mehr von anderen Menschen zu erwarten, daß sie einem gut begegnen und sich womöglich gekränkt zurückzuziehen, wenn dies nicht geschieht. Es bedeutet zu erkennen, im welchem Zustand die Welt ist und welch großen Beitrag man im täglichen Leben in der Liebe für diese Welt geben kann. Es ist in der eigenen Verantwortung, Meisterschaft anzunehmen und - statt sie von Anderen zu erwarten - die positiven Impulse selbst zu setzen. So findet man aus der Opferrolle in ein neues Bewusstsein der eigenen Würde im Menschsein.

Wie auch schon der einflußreichste Philosoph der Antike, Platon, von der „Ideenwelt” sprach, so gehe ich von dem Gedanken aus, daß den Dingen dieser Welt eine Ebene der Ideen übergeordnet ist. So wird jeder Versuch, die Welt langfristig durch bloßen politischen Aktionismus ohne Vision zu verändern, zu einer Kinderei. Um die Welt im Sinne eines sichtbaren geistigen Fortschrittes zu verändern, ist gerade auf dieser Ideenebene anzusetzen - nicht die Symptome, sondern die Ursachen der Leiden behandelt auch ein guter Arzt. So geht es bei dieser Friedens- und Freiheitsstätte, bei dieser „Vision einer neuen Menschlichkeit” um eine Idee, die in die Welt gesetzt wird; um eine Arbeit in der „Ideenwelt”. Es möge verstanden werden, daß die Ideen und die gemeinsamen Visionen, denen eine Gemeinschaft folgt, langfristig wichtiger sind als das politische Alltagsgeschäft. Denn jenes folgt auch nur den bereits im Geistigen gegründeten ursächlichen Ideen. „Die Staaten blühen nur, wenn entweder Philosophen herrschen oder die Herrscher philosophieren.” (Platon)

Dieses Werk sei dem Bereich der christlich-jüdischen Mystik zugeordnet. Gerade weil es einen seelischen Prozess darstellt, welcher der Sehnsucht der Seele nach Licht und Liebe folgt, ist die damit verbundene Arbeit nahe am Leben der Menschen: sie beschäftigt sich mit der Frage nach der Heilung der Vergangenheit in der Erinnerung persönlichen Erlebens und im kollektiven Gedächtnis eines Volkes. Die so gewonnene Antwort ist zugleich ein Beitrag, daß sich das „Globale Dorf” - auch das vor der Haustüre - mit seinen verschiedenen Kulturen und Religionen in Zukunft wird friedlich gestalten lassen.

Die christliche Mystik hatte ihre Blütezeit im späten Mittelalter. Es ist zu hoffen, daß sie eine Renaissance erlebt und dazu kann dieses Projekt beitragen. Karl Rahner, einer der bedeutenden katholischen Theologen und Religionsphilosophen der Neuzeit, schrieb: „Der Fromme von Morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.” Dieses Werk ist in aller geistigen Freiheit entstanden und vom ganzen Herzen her im Vertrauen auf Gott einem Suchen nach Wahrheit und Weisheit verpflichtet.

Thomas Zieringer, 14. 1. 2007

PS: Das Bild entstand im Januar 2015. Der Schmetterling war echt. Er war in meinem Haus und landete auf mir. :-)





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