Das Friedensmal im Garten der Freiheit ist dem inneren Frieden des Menschen gewidmet. Bei einem selbst beginnt der Frieden, den man mit seinem Reden und Handeln hinaus trägt in die Welt. In der Mitte des Kreises findet man die Rose des Schalom. In ihre Blüte ist das hebräische Wort "Chai", d. h. Leben eingeschrieben. - Erwacht zum Leben im Geist der Freiheit.


Heilung der Vergangenheit für eine Zukunft

Die Idee für das Friedensmal wurde im Jahr 1999 mit einem Buch zur Holocaust-Mahnmal Debatte der Öffentlichkeit vorgestellt. Es ist eine künstlerische Antwort auf das später in Berlin realisierte Holocaust-Mahnmal von Peter Eisenman. Das von ihm konstruierte Stelenfeld nannte er "Terror der Einsamkeit". - Das Friedensmal zeigt einen Weg der Heilung und neuen Lebens.

Dieser Ort lässt eine Botschaft des Friedens in der äußeren Welt konkret werden. Von der
Rose des Schalom in der Mitte des Friedensmals aus kann man in die Rheinebene blicken, wo einst das jüdische "Jerusalem am Rhein" war. Die Friedensbotschaft bedeutet die Heilung der verletzten Wurzel "Jerusalem", eine wesentliche Wurzel der deutschen und europäischen Kultur.

Der Name Friedensmal ist mit einer kreisförmigen Gestaltung verbunden, um die sich Menschen in einem Circle of Peace versammeln können. Darin liegt die Idee von Gemeinschaft. Kunst soll der Gesellschaft einen Impuls vermitteln. Es geht um die Wiederherstellung von Beziehungen. Dies ist bereits im Namen für das Denkmal enthalten: Friedensmal in Deutsch, Circle of Peace in Englisch.



Garten der Freiheit - als ein Rahmen (פרקי אבות 1:1)

Der Garten der Freiheit in Bensheim, Deutschland

Der Garten der Freiheit in Bensheim, 54 km südlich von Frankfurt am Main, ist als spiritueller Garten gestaltet und als solcher ein Ruf nach Frieden, Freiheit und neuem Leben. Der Garten mit zwei "Engelsflügeln" umrahmt das 26 m große Friedensmal in seiner Mitte, das den inneren Weg symbolisiert. An der Grenze zum europäischen Fernwanderweg Nr. 8 (der Weg durch die Welt) befindet sich der Grenzstein mit der Aufschrift Yerushalayim auf der "Seite der Hoffnung". Auf seiner anderen Seite wird das Leiden der Vergangenheit und der Gegenwart angesprochen. Darunter zeigt ein Schieferstein im Boden mit der Aufschrift „Wo sich Staub zu Licht wandelt“  in Richtung des Friedenmals.

Eine Einführung - Hier finden Sie eine Einführung in das Projekt, die eine solide Grundlage für das Verständnis darstellt. Sie zeigt eine Gesamtschau des Gartens der Freiheit sowie eine Erläuterung seiner einzelnen Elemente mit kurzen philosophischen Texten.



Das Friedensmal - auf dem inneren Weg zum Frieden

Der Baum des Lebens im Friedensmal

Das Friedensmal liegt in der Mitte des Gartens der Freiheit. Geht man um den Kreis des Friedensmals kommt man doch immer wieder an der gleichen Stelle an. Man dreht sich solange um sich selbst, bis man innehält und in die Mitte in den Baum des Lebens tritt. Man geht dafür über zwei Stufen ins Friedensmal. Es ist die Schwelle der Demut. Auf ihr steht geschrieben: „Erkennet das Heilige in eurer Mitte“. Das Bild zeigt den Baum des Lebens als Relief im Denkmalkreis.

Elf große Steine im "dunklen Ring" symbolisieren die Blockaden und Verstrickungen, die auf dem Lebensweg des Menschen zu sich selbst zwischen ihm und seiner Freiheit stehen. Es ist der Verstand des traumatisierten Menschen. Die unfreien Menschen sind identifiziert mit ihren Verstrickungen und bewirken genau dadurch, dass die Welt so sein kann wie sie heute ist. Die Befreiung aus den Verstrickungen symbolisiert im Friedensmal der Baum des Lebens.

Der 12. Stein steht außerhalb des Gedenkkreises neben dem Europäischen Fernwanderweg. Er repräsentiert eine Verantwortung für Freiheit und Frieden in der Außenwelt. Es ist „... ein Ruf voller Liebe für die Freiheit des Menschen“ (Inschrift).

Das Friedensmal - Hier finden Sie eine detaillierte Beschreibung der Symbolik.



Grenz-Stein - die rohe Seite, ein Mahnmal

Die rohe Seite des Grenz-Steins, ein Mahnmal

Dies ist der 12. Stein, der Grenzstein. Wir sehen die Vergangenheit an, wir erinnern uns daran, wer wir wirklich sind und begegnen der Gegenwart. Leben geschieht in der Gegenwart: Wo erleben wir heute Krieg und Unfreiheit statt Frieden und Freiheit im eigenen Leben? Wo können wir Verantwortung für eine schönere Welt übernehmen? Wo fängt unsere Verantwortung an? Eine Schieferschwelle unter dem Stein verweist mit der Inschrift „Wo sich Staub zu Licht wandelt“  auf das Friedensmal rechts daneben, das den Gang ins eigene Innere zeigt. Es bezeichnet einen Frieden, den man in sich finden kann und den man nach außen in die Welt tragen wird.

Vergangenheit am Ort - Die 12 Jahre der Naziherrschaft, ein Zusammenbruch der Zivilisation schließlich, ist ein Weckruf für ein Leben in Freiheit; über die Grenzen eines ideologischen Gefängnisses hinaus.



Jerusalem Grenzstein - die bearbeitete Seite, für den äußeren Frieden

Die helle Seite des Jerusalem Grenzsteins

Inschrift: „Yerushalayim - Ein Ruf voller Liebe nach Freiheit für den Menschen. Dass wir die (inneren) Zäune im Miteinander überwinden und unseren Halt nicht hinter Zäunen der Ideologie suchen.“  YERUSHALAYIM – die Wurzel "Jerusalem", reicht über das Christentum hinaus in die Ursprünge des Judentums. Es ist eine Wurzel unserer europäischen Kultur, die tief verletzt worden ist. Hinter dem Grenzstein befindet sich ein Zaun auf der anderen Seite des europäischen Fernwanderweges. Die symbolische Bedeutung ist: gesunde Grenzen.

Wir setzen keine Mauern zwischen uns Menschen und wir reißen keine Zäune nieder, vielmehr sind wir uns der Zäune bewusst und erkennen das Licht und die Schönheit, die sie schützen. Freiheit bedeutet nicht "No nation, no border". Freiheit kommt von innen: wir sind uns der inneren "ideologischen Zäune" bewusst, die uns von einander trennen; und von der Wahrheit und dem Leben.


Der Grenzstein - Hier finden Sie eine detaillierte Betrachtung der beiden Seiten des großen Steins aus Odenwald-Quarz: die rohe Seite mit dem Leid und der Last der Vergangenheit und die bearbeitete, zivilisierte Seite mit "Yerushalayim" als eine Wurzel unserer Kultur  und als Hinweis auf das "himmlische Jerusalem", ein Symbol für Freiheit und eine Hoffnung auf Frieden in der Welt.



Jerusalem am Rhein - eine jüdische Geschichte

Blick vom Friedensmal in die Rheinebene (Jerusalem am Rhein)

Blick in die Rheinebene, wo sich einst das Jerusalem am Rhein befand. Schaut man von der Rose des Schalom aus nach Westen zwischen den beiden Hügeln in die Rheinebene, so sieht man die Silhouette der Stadt Worms (22 km) mit ihrem großen Dom am Horizont. Worms ist die geographisch mittlere der drei Städte Speyer, Worms und Mainz, die im Hochmittelalter das Jerusalem am Rhein bildeten. Aufgrund ihrer zentralen Bedeutung für die jüdischen Gemeinden in Mitteleuropa gelten sie als Geburtsstätte der aschkenasischen jüdischen Kultur.

Jerusalem am Rhein - Hier finden Sie mehr Informationen zur jüdischen Geschichte.



Die Rose des Schalom - für ein Herz das lebt

Die Rose des Schalom im Friedensmal

Die Rose des Schalom ist ein Zeichen für Schalom; das heißt Harmonie, Heil, Fülle und Frieden. Die jüdische Dichterin Nelly Sachs beschrieb Schalom als „eine Schmetterlingszone der Träume“. Schalom fängt im Inneren der eigenen Seele an. Die Rose des Schalom besteht aus der Blüte einer „Weißen Rose“ und einem darauf liegenden Stern: ein Herz das lebt!  Der sechseckige Stern steht als Symbol für die Verbindung von „Himmel“ und „Erde“; von Geist und Materie. Die Rose des Schalom befindet sich in der Mitte vom Baum des Lebens im Friedensmal: der Mensch kann in sich "Himmel" und "Erde" verbinden, ähnlich einem Baum.

Die Rose des Schalom - Hier finden Sie Bilder und Texte zur Einweihung der weißen Rose des Schalom am 17. Mai 2012.



Das Setzen des "Chai" - den Terror der Einsamkeit überwinden

Die deutsche Vergangenheit hinterließ deutliche Spuren in den Seelen der Nachkommen. Traumata wurden von den Eltern geerbt. Über die Erinnerungskultur wurden die Themen Holocaust und deutsche Kriegsschuld intensiv vermittelt. Das erschütterte das Gefühl eigener Identität schmerzhaft. Die Deutsche Mahnkultur war auf Vergangenheit und Schuld ausgerichtet und die Zukunft, die Hoffnung auf neues Leben fehlte. Als Folge davon verschloss man sich dem Thema oder man blieb im Schmerz der Vergangenheit hängen. Beides konnte einer notwendigen Heilung nicht helfen, sondern zerstörte Beziehung; zuerst die Beziehung zu sich selbst.

Was wurde aus der Vergangenheit gelernt das uns in die Zukunft hilft? Etwa die Einsicht, dass unsere Freiheit verloren geht ohne ein beständiges Ringen um sie? Freiheit wertzuschätzen, so hat man vielmehr den Eindruck, entspricht nicht der deutschen Mentalität. Tief in der Seele verankerte Angst bewirkt, dass sich Menschen lieber in die Sicherheit einer Herde mit der als richtig geltenden Ideologie einfügen wollen. Aber genau deshalb löst sich das uns als sicher bekannte Deutschland auf. Haben wir uns also nur im Kreis gedreht, statt zu wirklicher Einsicht zu gelangen? Die Vergangenheit ist Teil von einem selbst. Man kann sie verdrängen, an ihr festhalten oder aber sie so in Liebe annehmen, dass eine Wunde heilt.


Das setzen des Chai im Friedensmal

Erinnern alleine ist nicht genug: Als Zeichen für das Leben setzt Rabbiner Mordechai Mendelson den Wendepunkt mit der Inschrift "Chai".


Frieden für den Einzelnen: Man nimmt die von den Erinnerungen ausgelösten Schmerzen, die Angst, Trauer und Wut wahr und geht damit einen Weg des Friedens. Es ist kein Frieden mit dem Unrecht, sondern es bedeutet, dass man vor diesen Gefühlen nicht mehr davonläuft; sie werden in Liebe und in der Hoffnung neuen Lebens gehalten.

Herstellung von Beziehung: Um das Friedesmal im "Circle of Peace“ kann man dann auch andere „umarmen“. In tiefen Begegnungen mit den Mitmenschen lässt sich der in unsere Gesellschaft programmierte "Terror der Einsamkeit" überwinden. Die Gesellschaft braucht Zusammenhalt statt Spaltung. "Circle of Peace" bedeutet: dem Wahnsinn die Kooperation verweigern  (Rubikon).

Neues Leben: Sichtbar werden würde eine Gesundung in wachen, mündigen und freiheitsliebenden Menschen und in den Zeichen fürs Leben, die sich eine Kultur setzt. Wie geht unser Land mit dem Zeichen eines Friedensmals in den deutsch-jüdischen Beziehungen um?  (Kommentar des Präsidenten des Zentralrats der Juden Dr. Josef Schuster)


Der Wendepunkt mit der Inschrift "Chai", hebräisch für "Leben", war am 14. Mai 2017  (jüd. Kalender: 18. Iyar 5777)  gesetzt worden. Von diesem einen Punkt aus war das ganze Denkmal vermessen und konstruiert worden.





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