... im Geiste der Freiheit

Das Jerusalem Friedensmal bezeichnet das Friedensmal, umrahmt von einem Garten der Freiheit mit dem Grenzstein (Inschrift: Yerushalayim) an dessen äußerer Grenze. Das Friedensmal ist dem inneren Weg gewidmet und damit einem Frieden, den man mit seinem Reden und Handeln nach außen in die Welt trägt. In der Mitte des Friedensmals findet man die Rose des Schalom. In ihre Blüte ist das Wort "Chai" eingeschrieben, hebräisch für leben.


Heilung der Wunden der Vergangenheit für eine Zukunft

Das Jerusalem Friedensmal in Bensheim, 54 km südlich von Frankfurt a. M., ist ein Ruf nach Frieden, Freiheit und neuem Leben. Die Idee für das Friedensmal wurde im Jahr 1999 mit einem Buch zur Berliner Mahnmal-Debatte der Öffentlichkeit vorgestellt. In den Jahren 2010 - 2015 wurde es dann tatsächlich gebaut. So entstand eine Antwort des Lebens auf das im Jahr 2005 in Berlin realisierte Holocaust-Mahnmal von Peter Eisenman. Das von ihm konstruierte Stelenfeld nannte er "Terror der Einsamkeit". Es besteht aus 2711 Stelen in Beton gegossener Erstarrung.

Das Friedensmal zeigt im Bewusstsein vergangenen Leids einen Weg der Heilung und neuen Lebens. - Können wir die Vergangenheit nicht ruhen lassen? Wem hilft der Schmerz und das Reden darüber? Doch ein Schlussstrich und damit das Verleugnen der Wunden wäre nur Selbstbetrug. Friedensschritte, also das Schließen der Wunden, sind möglich und bedeuteten, etwas aus der Vergangenheit gelernt zu haben. Narben bleiben in der kollektiven Erinnerung.

Dieser Ort lässt eine Botschaft des Friedens in der äußeren Welt konkret werden. Von der
Rose des Schalom in der Mitte des Friedensmals aus kann man in die Rheinebene blicken, wo einst das jüdische "Jerusalem am Rhein" war. Die Friedensbotschaft bedeutet die Heilung der verletzten Wurzel "Jerusalem", eine wesentliche Wurzel der deutschen und europäischen Kultur.


Ein Impuls des Lebens in der deutschen Erinnerungskultur

Das Jerusalem Friedensmal wurde am 27. September 2015 in Bensheim-Hochstädten eingeweiht. Der Name Friedensmal ist mit einer kreisförmigen Gestaltung verbunden, um die sich Menschen in einem Circle of Peace versammeln können. Darin liegt die Idee von Gemeinschaft und Leben. Kunst soll der Gesellschaft einen Impuls vermitteln. Es geht um die Wiederherstellung von Beziehungen. Diese Idee ist bereits im Namen für das zentrale Element des Denkmals enthalten: Friedensmal in Deutsch, Circle of Peace in Englisch.



Garten der Freiheit - der Raum des Jerusalem Friedensmals (פרקי אבות 1:1)

Der Garten der Freiheit in Bensheim, Deutschland

Ein Garten der Freiheit mit seiner äußeren Grenze gibt den Raum, in dem das Jerusalem Friedensmal sein kann. Es geht um den Raum, den wir gemeinsam schaffen, um dies zu ermöglichen. Dieser Raum ist ein Ruf nach Freiheit, Frieden und neuem Leben.

Mit seinen zwei "Engelsflügeln" umrahmt ein Garten der Freiheit das 26 m große Friedensmal. An der Grenze zum europäischen Fernwanderweg Nr. 8 (der Weg durch die Welt) befindet sich der Grenzstein mit der Aufschrift Yerushalayim auf der "Seite der Hoffnung". Auf seiner anderen Seite wird das Leiden der Vergangenheit und der Gegenwart angesprochen. Darunter zeigt ein Schieferstein im Boden mit der Aufschrift „Wo sich Staub zu Licht wandelt“  in Richtung des Friedensmals.

Garten der Freiheit - Hier finden Sie eine Gesamtschau des Gartens der Freiheit sowie eine Erläuterung der einzelnen Elemente darin mit kurzen philosophischen Texten. Dieses Kapitel dient als solide Grundlage für das Verständnis des Projekts.



Das Friedensmal - für den inneren Weg zum Leben

Der Baum des Lebens im Friedensmal

Geht man um den Kreis des Friedensmals kommt man doch immer wieder an der gleichen Stelle an. Man dreht sich solange um sich selbst, bis man innehält und in die Mitte in den Baum des Lebens tritt. Man geht dafür über zwei Stufen ins Friedensmal. Es ist die Schwelle der Demut (und des Übermuts). Auf ihr steht geschrieben: „Erkennet das Heilige in eurer Mitte“. Das Bild zeigt den Baum des Lebens als Relief im Denkmalkreis.

11 große Steine im "dunklen Ring" symbolisieren die Blockaden und Verstrickungen, die auf dem Lebensweg des Menschen zu sich selbst zwischen ihm und seiner Freiheit stehen. Es ist der Verstand des traumatisierten Menschen. Die unfreien Menschen sind identifiziert mit ihren Verstrickungen und bewirken genau dadurch, dass die Welt so sein kann wie sie heute ist. Die Befreiung aus den Verstrickungen symbolisiert im Friedensmal der Baum des Lebens.

Der 12. Stein, der Grenzstein, steht außerhalb des Gedenkkreises neben dem Europäischen Fernwanderweg. Er repräsentiert eine Verantwortung für Freiheit und Frieden in der Außenwelt. Es ist „... ein Ruf voller Liebe für die Freiheit des Menschen“  (Inschrift).

Das Friedensmal - Hier finden Sie eine detaillierte Beschreibung der Symbolik.



Grenz-Stein - ein Mahnmal, die rohe Seite

Die rohe Seite des Grenz-Steins, ein Mahnmal

Dies ist der 12. Stein, der Grenzstein. Wir sehen die Vergangenheit an, wir erinnern uns daran, wer wir wirklich sind und begegnen der Gegenwart. Leben geschieht in der Gegenwart: Wo erleben wir heute Krieg und Unfreiheit statt Frieden und Freiheit im eigenen Leben? Wo können wir Verantwortung für eine schönere Welt übernehmen? Wo fängt unsere Verantwortung an? Eine Schieferschwelle unter dem Stein verweist mit der Inschrift „Wo sich Staub zu Licht wandelt“  auf das Friedensmal rechts daneben, das den Gang ins eigene Innere zeigt. Es bezeichnet einen Frieden, den man in sich finden kann und den man nach außen in die Welt tragen wird.

Vergangenheit am Ort - Die 12 Jahre der Naziherrschaft, ein Zusammenbruch der Zivilisation schließlich, ist ein Weckruf für ein Leben in Freiheit; über die Grenzen eines ideologischen Gefängnisses hinaus.



Jerusalem Grenzstein - für den äußeren Frieden, bearbeitete Seite

Die helle Seite des Jerusalem Grenzsteins

Inschrift: „Yerushalayim - Ein Ruf voller Liebe nach Freiheit für den Menschen. Dass wir die (inneren) Zäune im Miteinander überwinden und unseren Halt nicht hinter Zäunen der Ideologie suchen.“  YERUSHALAYIM – die Wurzel "Jerusalem", reicht über das Christentum hinaus in die Ursprünge des Judentums. Es ist eine Wurzel unserer europäischen Kultur, die tief verletzt worden ist. Hinter dem Grenzstein befindet sich ein Zaun auf der anderen Seite des europäischen Fernwanderweges. Die symbolische Bedeutung ist: gesunde Grenzen.

Wir setzen keine Mauern zwischen uns Menschen und wir reißen keine Zäune nieder, vielmehr sind wir uns der Zäune bewusst und erkennen das Licht und die Schönheit, die sie schützen. Freiheit bedeutet nicht "No nation, no border". Freiheit kommt von innen: wir sind uns der inneren "ideologischen Zäune" bewusst, die uns von einander trennen; und von der Wahrheit und dem Leben.


Der Grenzstein - Hier finden Sie eine detaillierte Betrachtung der beiden Seiten des großen Steins aus Odenwald-Quarz: die rohe Seite mit dem Leid und der Last der Vergangenheit und die bearbeitete, zivilisierte Seite mit "Yerushalayim" als eine Wurzel unserer Kultur  und als Hinweis auf das "himmlische Jerusalem", ein Symbol für Freiheit und eine Hoffnung auf Frieden in der Welt.



Jerusalem am Rhein - eine jüdische Geschichte

Blick vom Friedensmal in die Rheinebene (Jerusalem am Rhein)

Blick in die Rheinebene, wo sich einst das Jerusalem am Rhein befand. Schaut man von der Rose des Schalom aus nach Westen zwischen den beiden Hügeln in die Rheinebene, so sieht man die Silhouette der Stadt Worms (22 km) mit ihrem großen Dom am Horizont. Worms ist die geographisch mittlere der drei Städte Speyer, Worms und Mainz, die im Hochmittelalter das Jerusalem am Rhein bildeten. Aufgrund ihrer zentralen Bedeutung für die jüdischen Gemeinden in Mitteleuropa gelten sie als Geburtsstätte der aschkenasischen jüdischen Kultur.

Jerusalem am Rhein - Hier finden Sie mehr Informationen zur jüdischen Geschichte.



Die Rose des Schalom - für ein Herz das lebt

Die Rose des Schalom im Friedensmal

Die Rose des Schalom ist ein Zeichen für Schalom; das heißt Harmonie, Heil, Fülle und Frieden. Die jüdische Dichterin Nelly Sachs beschrieb Schalom als „eine Schmetterlingszone der Träume“. Schalom fängt im Inneren der eigenen Seele an. Die Rose des Schalom besteht aus der Blüte einer „Weißen Rose“ und einem darauf liegenden Stern: ein Herz das lebt!  Der sechseckige Stern steht als Symbol für die Verbindung von „Himmel“ und „Erde“; von Geist und Materie. Die Rose des Schalom befindet sich in der Mitte vom Baum des Lebens im Friedensmal: der Mensch kann in sich "Himmel" und "Erde" verbinden, ähnlich einem Baum.

Die Rose des Schalom - Hier finden Sie Bilder und Texte zur Einweihung der weißen Rose des Schalom am 17. Mai 2012.



Das Setzen des "Chai" - den Terror der Einsamkeit überwinden

Die deutsche Vergangenheit hinterließ tiefe Spuren in den Seelen der Nachkommen. Traumata wurden von den Eltern geerbt und die hier beschriebenen Spätfolgen des 2. Weltkrieges wurden wenig beachtet. Über die Erinnerungskultur wurden die Themen Holocaust und deutsche Kriegsschuld intensiv vermittelt. Das erschütterte das Gefühl eigener Identität schmerzhaft. Die deutsche Mahnkultur war auf Vergangenheit und Schuld ausgerichtet und die Zukunft mit der Hoffnung auf neues Leben fehlte. Als Folge davon verschlossen sich viele Menschen dem Thema oder sie blieben im Schmerz der Vergangenheit hängen. Beides konnte einer notwendigen Heilung nicht helfen, sondern zerstörte Beziehung; zuerst die Beziehung zu sich selbst.

Was wurde aus der Vergangenheit gelernt das uns in die Zukunft geleitet? Etwa die Einsicht, dass unsere Freiheit verloren geht ohne ein beständiges Ringen um sie? Freiheit wertzuschätzen, so hat man vielmehr den Eindruck, entspricht nicht der deutschen Mentalität. Tief in der Seele verankerte Angst bewirkt, dass sich Menschen lieber in die Sicherheit einer Herde mit der als richtig geltenden Ideologie einfügen wollen; immer noch ist das so. Aber genau deshalb löst sich das uns als sicher bekannte Deutschland heute auf.
Haben wir uns also nur im Kreis gedreht, statt zu wirklicher Einsicht zu gelangen? Die Vergangenheit ist Teil von einem selbst. Man kann sie verdrängen, an ihr festhalten oder aber sie so in Liebe annehmen, dass im neuen Verständnis eine Wunde heilt.


Das setzen des Chai im Friedensmal

Erinnern alleine ist nicht genug: Als Zeichen für das Leben setzt Rabbiner Mordechai Mendelson den Wendepunkt mit der Inschrift "Chai" (leben).


Frieden für den Einzelnen: Man nimmt die von den Erinnerungen ausgelösten Schmerzen, die Angst, Trauer und Wut wahr und geht damit einen Weg des Friedens. Es ist kein Frieden mit dem Unrecht, sondern es bedeutet, dass man vor diesen Gefühlen nicht mehr davonläuft; sie werden in Liebe und in der Hoffnung neuen Lebens gehalten.

Herstellung von Beziehung: Um das Friedesmal im "Circle of Peace“ kann man dann auch andere „umarmen“. In tiefen Begegnungen mit den Mitmenschen lässt sich der in unsere Gesellschaft programmierte "Terror der Einsamkeit" überwinden. Die Gesellschaft braucht Zusammenhalt statt Spaltung. "Circle of Peace" bedeutet: dem Wahnsinn die Kooperation verweigern  (Rubikon).

Neues Leben: Sichtbar werden würde eine Gesundung in wachen, mündigen und freiheitsliebenden Menschen und in den Zeichen für das Leben, die sich eine Kultur setzt. Wie geht unser Land mit dem Zeichen eines Friedensmals in den deutsch-jüdischen Beziehungen um?  (Kommentar des Präsidenten des Zentralrats der Juden Dr. Josef Schuster)


Der Wendepunkt mit der Inschrift "Chai", hebräisch für "leben", war am 14. Mai 2017  (jüd. Kalender: 18. 9. 5777)  gesetzt worden. Von diesem einen Punkt aus war das ganze Denkmal vermessen und konstruiert worden.





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