Kapitel: Stiftung / Spiritualität


Der Name „Jerusalem Friedensmal“

Vom Friedensmal aus sieht man das Jerusalem am Rhein. Dort begann eigentlich das schwierige Verhältniss in den deutsch-jüdischen Beziehungen. Im Rahmen der Kreuzzüge wurde diese große jüdische Kultur zerstört. Eine Aufarbeitung fand nie statt.

Das allerdings war Zufall, auch dass das „Jerusalem am Rhein“ bzw. die SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz im Bezug zur jüdischen Vergangenheit zum Weltkulturerbe erhoben wurden, nachdem das Jerusalem Friedensmal gebaut worden war. Denn der Name „Jerusalem Friedensmal“ trug das Denkmal bereits bevor die Geschichte mit dem „Jerusalem am Rhein“ in der Ebene darunter überhaupt bekannt gemacht worden war.

Tatsächlich fand der Künstler den Namen mit einem anderen Gedankengang: Jerusalem heißt übersetzt „Stätte des Friedens“. Damit im äußeren Jerusalem in der Welt Frieden einkehren kann, braucht es das Jerusalem in uns, d. h. die Stätte des Friedens in der eigenen Seele.

Wie sich herausstellte, lesen aber Menschen oft auch auf dieser Website die Texte so, dass es in das Bild ihrer eigenen Glaubenssätze passt und nehmen nichts außerhalb wahr. Der Künstler drückte es so aus:

Ich möchte nicht, dass „mein“ Jerusalem Friedensmal falsch verstanden wird. Ich meine mit meiner Denkmalgestaltung gar keine bestimmte Religion, sondern die Transzendierung religiöser Ideologie. Dann kehrte auch Frieden in Jerusalem ein; in der äußeren und inneren Welt. Das ist nichts Neues. Mystiker aller Religionen sind sich darin einig. 

"Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein - oder er wird nicht sein" (Karl Rahner)
Das dürfte für alle religiösen Ideologien gelten. 

Ich habe hier kein Denkmal für eine bestimmte Religion gebaut, sondern ich öffnete an dem Ort „nur“ den Raum zur Begegnung von Menschen, die ihre Glaubenssätze haben und die ihre Religionen haben oder keine Religion haben. Diese Begegnung ist wichtig. 

Die „helle Fläche“ im Friedensmal steht für den „Raum der Begegnung“ (mit den 22 Werten im Miteinander). Aber diese „Fläche“ ist in einem selbst und über die Begegnung mit dem anderen Menschen bekomme ich Notwendiges über mich selbst reflektiert, das mir hilft, mich aus den Glaubenssätzen, aus den Ideologien und meinen „Mustern“ (der dunkle Ring im Denkmal) zu befreien. Der „Baum des Lebens“ (im Denkmal), der den „dunklen Ring“ von innen durchbricht, steht für die Verbindung von „Himmel“ und „Erde“: Der Mensch wächst als ein Entwicklungsschritt in ein erweitertes Bewusstsein, was ohne das Wertefundament, wie „wir“ miteinander umgehen, nicht geht. Innen und außen sind miteinander verwoben.


Über den Glauben

Ohne einen Glauben, der einen Halt in der Tiefe gibt, kommt man schwerlich durch harte Zeiten, wenn viele Illusionen in sich zusammenbrechen. Ich weiß, dass es Bewusstsein gibt. Das Bewusstsein formt sich seine Welt. Aus dieser Welt heraus versucht reflektiertes Bewusstsein, die Quelle zu erfassen. Das ist es auch, was den Menschen vom Tier unterscheidet. Doch ist dieses Unterfangen nicht viel mehr ein ewiges Fallen, als eine religiöse Ideologie mit ihren festen Erklärung über eine Ebene, die menschliches Bewusstsein gar nicht erfassen kann?

Ich achte Religionen, weil sie Wege sind sich dieser höheren Ebene zu nähern, weil sie Halt geben und ein Wertefundament, ohne das es keine Weiterentwicklung gibt. So aber muss man den Menschen die Freiheit lassen, ihren eigenen Weg zu beschreiten - innerhalb oder außerhalb einer existierenden Religion - sich umzuentscheiden, ihren Glauben zu erweitern, zu vertiefen - bis hin zum Numinosen.

Es kommt auch immer darauf an, wie man etwas versteht. „Jesus“ kommt von Jehoshua. Das heißt übersetzt: Gott rettet. Der Mystiker wird das bejahen können. „Christus“ ist ein Titel. Es bedeutet, in die Gotterkenntnis gelangt zu sein. Es könnte bedeuten, dass man die Rettung oder Heilung nicht mehr auf etwas Äußeres oder jemanden Äußeren projiziert, noch nicht mal mehr auf eine religiöse Ideologie, sondern dass man weiß, dass man selbst gemeint ist, dass es ein Prozess ist, der in einem selbst geschieht.





Zurück zur Übersicht:  Stiftung Friedensmal
  © 2021 | Text und Bild | Stiftung Friedensmal

  Besucherzähler kostenlos Besuche auf der Website