Eine Friedensvision ... denn das Leben ist heilig.

Bei der Einweihungsfeier legt die Psychologin und Überlebende von Auschwitz Batsheva Dagan Kieselsteine auf die Gedenksteine im Friedensmal.
Kapitel: Projekt / Friedensvision



Ein Weg zu Frieden und Menschlichkeit in der Welt


Einleitung

Dieses Kapitel vertieft die Idee, dass Frieden und Freiheit nicht nur äußere Ziele, sondern vor allem innere Zustände sind. Das Jerusalem Friedensmal dient als Spiegel unseres Bewusstseins und lädt uns ein, den ersten Schritt auf dem Weg zu innerem Frieden und Freiheit zu tun: Innehalten. Es ist ein Raum der menschlichen Verbindung und Würde, der uns aus dem 'Terror der Einsamkeit' befreit und uns die Möglichkeit gibt, echte Beziehungen zu uns selbst und zu anderen aufzubauen.

Die Aufarbeitung der Vergangenheit ist ein fortlaufender Prozess, der durch Liebe und Loslösung vom Bösen der Vergangenheit geführt werden muss. Es geht daher nicht nur darum, Mahnmale zu errichten, sondern auch darum, Friedensmale erschaffen zu wollen und aktive Schritte zur Förderung des Friedens zu unternehmen. Das Setzen des 'Chai' im Friedensmal symbolisiert die Heiligkeit des Lebens und die Notwendigkeit, unsere traumatischen Erfahrungen in eine Kraft für das Gute zu verwandeln.

In diesem Kapitel werden wir auch die spirituelle Dimension des Friedens und die Idee der 'neuen Welt' erforschen, eine Welt, die im Einklang mit den Idealen von Frieden und Freiheit steht. Es könnte an der Zeit sein, den nächsten Schritt zu gehen, alte Systeme und Denkweisen zu verlassen und eine neue Welt im Einklang mit den Idealen von Frieden und Freiheit aufzubauen.

Die Vision für die Zukunft ist klar: Das Jerusalem Friedensmal ist mehr als nur ein physischer Ort; es ist ein Symbol für Frieden, Freiheit und menschliche Würde. Es fordert uns dazu auf, sowohl der Vergangenheit zu gedenken als auch die Zukunft mutig im Sinne wahrer Menschenwürde zu gestalten. Jeder Mensch, der eine innere Heilung erfährt, verändert die Welt und hilft damit dem Frieden. Es steht für die neue Welt, in der sich Staub zu Licht verwandeln darf.

So laden ich Sie ein, mich auf dieser Reise der Selbsterkenntnis, der inneren Freiheit und des äußeren Friedens zu begleiten.



Erwacht zum Leben

Lieber Wanderfreund, sei Dir gewahr, dass die Welt Illusion und Verstrickung ist, und voller Schönheit, die gesehen werden will. Du bist darin entweder ein Gefangener oder ein Tanzender auf dem Spielfeld der Freiheit. Die Welt wird da, wo Du sie berührst, zum Spiegel Deines Bewusstseins. Erkenne Dich in diesem Garten der Freiheit, berühre und lass Dich berühren. Dieser Friedensort am Fernwanderweg sei Dir Inspiration und Ermutigung auf dem Weg zu Dir selbst. Nimm Dir die Zeit, um innezuhalten. Denn nur so beginnen Frieden und Freiheit in Dir.” (Aus dem Text der Tafel C am Friedensmal) - Der Leser ohne Zeit findet hier als kurze Zusammenfassung des Projekts die Texte (PDF) der drei Informationstafeln am Ort:   Tafel A   -   Tafel B   -   Tafel C  

Der Versuch den Weltfrieden von außen zu schaffen, birgt die Gefahr, im Totalitarismus zu enden. „Der Friede beginnt im eigenen Haus”,so Karl Jaspers. Das ist ein realistischeres Ziel, das den Aufwand wert ist, aber dennoch schwer umzusetzen ist.Tatsächlich können Frieden und Freiheit nur von innen her kommen, und so fängt der Frieden bei einem selbst an. Hier verwandelte sich „Staub zu Licht“. Das ist ein Zitat der jüdischen Dichterin Nelly Sachs, die den Holocaust überlebte und die ihr Bemühen, den Schmerz zu durchlichten, in Zeilen großer Schönheit und Eindringlichkeit fasste. So lautet die ganze Passage: „Die ihr keine Mörderhand erhobt, aber die ihr den Staub nicht von eurer Sehnsucht schütteltet, die ihr stehenbliebt, dort, wo er zu Licht verwandelt wird.”

Schrieb Nelly Sachs diese Zeilen für die Menschen damals oder die Menschen heute? Wieso hat sich seither so wenig Staub zu Licht verwandelt? Vielleicht leben wir in einer "falschen Welt". Vielleicht sind daran die einzelnen Menschen, denen man begegnet, und auch man selbst, viel weniger schuld, als man uns einreden möchte? Auch das zu erkennen, bedeutet zu erwachen und heil zu werden: diese Welt prägte uns und wurde uns zum Gefängnis. Wie aber befreien wir uns für eine "neue Welt" in der Liebe und Frieden herrschen?


Ein Aufruf zur Veränderung

Wir haben uns in der Erinnerungskultur zu lange ausschließlich mit dem Schrecken, dem Tod und der Schuld beschäftigt und dabei den Frieden, das Leben und die Loslösung aus dem Bösen der Vergangenheit übersehen. Mahnmale zu bauen ist wichtig, doch wenn in Beziehung dazu kein Friedensmal sein darf, wären sie letztlich sinnlos. Die Aufarbeitung der Vergangenheit ist wie das Leben selbst ein Prozess. Nur Liebe kann hier Weg und Ziel sein, um wirklich "aus der Vergangenheit zu lernen".


Das Setzen des "Chai" - denn das Leben ist heilig

Die Idee der Heilung von Beziehungen muss mit Leben gefüllt und in der Welt konkret werden. Deutlich und in der Welt konkret wird diese Idee im Friedensmal in Deutschland bei dem Thema "Frieden in den deutsch-jüdischen Beziehungen". Es betrifft also das tiefste Trauma der Deutschen und Juden. Würde die gefrorene traumatische Energie erlöst, so wäre sie wieder frei dem Leben zu dienen. Dem Leben zu dienen wäre aus unserer Vergangenheit zu lernen.


Das setzen des Chai im Friedensmal
Erinnern alleine ist nicht genug: Als Zeichen für das Leben setzt Rabbiner Mordechai Mendelson den Wendepunkt mit der Inschrift "Chai" (leben).

Frieden für den Einzelnen: Ich nehme die von den Erinnerungen ausgelösten Schmerzen, die Angst, Trauer und Wut wahr und gehe damit einen Weg des Friedens. Damit ist nicht der Frieden mit dem Unrecht gemeint, sondern es bedeutet, dass ich mich diesen Gefühlen stelle. Wenn ich das tue, werden sie in Liebe und in der Hoffnung neuen Lebens gehalten.

Herstellung von Beziehung: Das Jerusalem Friedensmal am Wanderweg in der Natur gibt Raum für die tiefe Begegnung mit sich selbst und den Mitmenschen. So lässt sich der in unsere Gesellschaft programmierte "Terror der Einsamkeit" überwinden. Die Gesellschaft braucht Zusammenhalt statt Spaltung. Das Verständnis des Friedensmals bedeutet: dem Wahnsinn die Kooperation verweigern  (Manova Magazin).

Neues Leben: Sichtbar werden würde eine Gesundung in wachen, mündigen und freiheitsliebenden Menschen und in den Zeichen für das Leben, die sich eine Kultur setzt. Wie geht unser Land mit dem Zeichen des Friedensmals um?

Der gesamten Gestaltung bestehend aus dem Friedensmal im Garten der Freiheit und dem Stein der Begegnung an seiner Grenze war am 22. März 2013 der spirituelle Name "Jerusalem Friedensmal" gegeben worden. Der Name wurde auf den Titelseiten der Jerusalem Post und der Haaretz als Einweihung des Projekts in Israel veröffentlicht.

Der Wendepunkt mit der Inschrift "Chai", hebräisch für "leben", war am 14. Mai 2017  (jüd. Kalender: 18. 9. 5777)  von Rabbiner Mordechai Mendelson in die Mitte des Friedensmals gesetzt worden. Von diesem einen Punkt aus wurde das ganze Denkmal vermessen und konstruiert. "Erkennet das Heilige in eurer Mitte" lautet die Inschrift am Eingang des Friedensmals. - Leben (Chai) ist heilig.


Vision für die Zukunft

Das Jerusalem Friedensmal ist mehr als nur ein physischer Ort; es ist ein Symbol für Frieden, Freiheit und menschliche Würde. Es fordert uns dazu auf, sowohl der Vergangenheit zu gedenken als auch die Zukunft mutig im Sinne wahrer Menschenwürde zu gestalten.

Jeder Mensch, der eine innere Heilung erfährt, verändert die Welt und hilft damit dem Frieden. Das Friedensmal soll einer Heilung im kollektiven Bewusstsein (Schatten) dienen und die Energie frei setzen für eine positive Zukunftsgestaltung. Es steht für die neue Welt, in der sich Staub zu Licht verwandeln darf.

Vielleicht geht es heute auch gar nicht mehr so sehr darum, eine "alte Welt" von neuen Ansichten zu überzeugen, sondern vielmehr darum, das Spielfeld eines alten verdorbenen Systems in Liebe zu verlassen, um wirklich zu leben, um mit Gleichgesinnten die neue Welt aufzubauen. Diese ins Leben gefundene Vision des Friedensmals ist auch eine Antwort auf den Nihilismus in der heutigen westlichen Kultur.




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